Frühjahr 2010, Teil I
23. Januar, Bruchsal, Fabrik
Zum zweiten Mal innerhalb von einem Jahr beehrten Mad Zeppelin die Fabrik in Bruchsal und konnten diesmal auch ohne eine Vorgruppe die tolle Location ordentlich füllen. 290 Zuschauer mussten sich allerdings vor Beginn des Gigs durch allerschrecklichste 80er-Jahre Popmusik quälen, da der örtliche PA-Mann offenbar nicht so wirklich mit dem Stil von Led Zeppelin vertraut war. Nach etlichen Beschwerden musste dann die Band mit Musik aus der Konserve nachhelfen. Dennoch kam es sicherlich für den ein oder anderen einer Erlösung gleich, als gegen 21:15 die ersten Töne des Intros erklangen und das Saallicht erlosch. Los ging es zum letzten Mal mit dem klassischen Opener der 2009er-Tour „Rock’n’Roll“ an welchen sich nahtlos „Ramble On“ anschloss. Die Band bot eine fas
t dreistündige Zeitreise durch alle Phasen der britischen Rocklegende und erwies sich in bester Spiellaune. Kein Wunder, dass auch das Publikum steil ging. Mit dem obligatorischen „Babe, I’m Gonna Leave You“ war dann gegen 24:00 Uhr Schluss und die Jungs machte sich zufrieden aber erschöpft an den Abbau. Dieser verlief auch wie gewohnt zügig, was man von der Rückfahrt nicht gerade behaupten konnte. Da Roadie Daniel seit einigen Tagen einen Führerschein besaß, durfte er eine der Bandkarossen nach Hause chauffieren. Wie es sich für einen pflichtbewussten Fahranfänger gehört, befolgte der Novize alle Verkehrszeichen penibel und tuckerte trotz leerer Autobahn mit 80km/h durch jede der unzähligen Baustellen. So dauerte die Rückfahrt gefühlte zwei Stunden und als das komplette Equipement im Proberaum verstaut war, hatte sich bei allen Beteiligten die nötige Bettschwere auch eingestellt. Was sonst noch passierte? Die Melone erreicht ihr Ziel erneut nicht. Grund: defekter Bremskraftverstärker.
06. März, Lorsch, Musiktheater Rex
„Lost and found“ lautete das Motto dieses Abends. Zunächst hatte Tontechniker Manfred offenbar den Termin verloren, denn zwei Tage vor dem Gig stellte er fest, dass es zu einer Terminkollision gekommen war und er der Band schweren Herzens einen Korb geben musste. Nun wurden alle Räder in Bewegung gesetzt, um auf die Schnelle einen geeigneten Ersatzmann aufzutreiben. Letztlich fand Moppel Tastendreher Markus im Bergischen Land und brachte ihn mit ins diesmal gut gefüllte Rex. Um es vorweg zu nehmen, er machte seinen Job wirklich ausgezeichnet. Vielen Dank, Markus! Nach langem Suchen fand sich an diesem Abend auch Volkers Melone wieder ein. Sie wurde sogar in einem schmucken Flightcase überreicht. An dieser Stelle also auch ein tolles Dankeschön an Fish!!
Diesmal hatten sich Mad Zeppelin (zu)viel vorgenommen. Das Programm war einer Runderneuerung unterzogen worden und gleich die ersten sechs Titel waren teils schon seit Jahren nicht mehr im Programm der Band gewesen. An und für sich kein Problem, wenn alles glatt läuft. Leider verpatzten die Jungs bereits den ersten Takt des neuen Openers „Immigrant Song“ gehörig. Auch das darauffolgende „Misty Mountain Hop“ eierte noch an einigen Stellen unsanft, so dass die Band ihre gewohnte Sicherheit verlor und spürbar mit angezogener Handbremse agierte. Den Gipfel der Irritationen stellte aber „Gallows Pole“ dar. Hier verloren alle den roten Faden und zwar an unterschiedlichster Stelle. So wurde das Publikum Zeuge des zweifelhaften Genusses, zeitgleich Strophe, Refrain und Abschlussteil des Songs zu hören (je nachdem, welchem Instrument man gerade lauschte). Erst nach und nach sollte sich der vertraute Spielspaß einstellen und in der zweiten Hälfte des Sets lief die Band dann auch zu gewohnter Stärke auf. Vorher ging aber noch mehr verloren und zwar das große Bandbackdrop, das hinter Drummer Breaker angebracht war. Pünktlich zu seinem Einsatz im „Rain Song“ löste sich das Plakat und landete unsanft auf der gerade wieder heimgekehrten Melone des Schlagwerkers. Kurz vor dem Knock-Out gelang es Breaker aber doch, sich aus den Fängen des Zauberers zu befreien und weiterzuspielen. In „No Quarter“ durfte Keyboarder Thomas dann gewohnt zu seinem langen Keyboardsolo antreten, das mit einer signifikanten Melodie endet. Diese dient Breaker als Signal, mit lautem Getöse auf den Gong zu hauen. Thomas spielte das Signal und Breaker griff zum Gongschlägel, aber oh Wunder, natürlich war auch dieser nicht an seinem gewohnten Ort. Während des Schlagzeugsolos war er offenbar unter die Bühne gerollt. Nun galt es, schnell zu handeln, denn Thomas musste zwangsläufig so lange weiter solieren, bis Roadie Daniel den Klöppel unter der Bühne hervorgezaubert hatte. Diese Wartezeit kam Thomas sicherlich wie eine Ewigkeit vor aber er zog sich durchaus achtbar aus der Affäre. Nicht so glimpflich erwischte es den Tastenmann dann während der Zugabe „When The Levee Breaks“. Was war diesmal verschwunden? Das Steuerteil des Keyboards! Roadie Daniel hatte es versehentlich runter geworfen und nachdem Thomas auf dem dunklen Bühnenboden fündig geworden war, musste er leider feststellen, dass sich die Tasten so verklemmt hatten, dass er seine Sounds nicht mehr abrufen konnte. Es stellte sich eine Art DeJa-Vu ein, denn schon im letzten Jahr durfte das Publikum in Wetzlar den Keyboarder bei den verzweifelten Bemühungen beobachten, dieses blöde Gerät zum Laufen zu bringen. Leider hatte Thomas während „Levee“ gleich zwei Soloparts zu bewältigen und schaffte es erst pünktlich zum zweiten Solo, die vermaledeite Tastensperre zu lösen. Tja, wenn es dann mal schief geht, dann aber auch so richtig. Fazit: das neue Programm stellte die Band vor ungeahnte Herausforderungen aber bis zum nächsten Gig werden viele dieser Problemchen sicherlich behoben sein.